Ich wand're durch Theresienstadt
Am 13. Mai 2026 verwandelte sich die Turnhalle der BbS Eike von Repgow in einen Theatersaal. Für alle anwesenden Klassen fand ein besonderer Unterrichtstag statt - gestaltet vom Bläserquintett OPUS 45 und dem Schauspieler Roman Knižka mit ihrem Projekt "Ich wand're durch Theresienstadt". In dem abwechslungsreichen und zugleich einfühlsamen Programm stellten sie Kompositionen von Pavel Haas und Hans Krása sowie Gedichte von Ilse Weber vor.
Theresienstadt wurde ab 1941 durch die deutschen Nationalsozialisten zu einem jüdischen Ghetto gemacht. In den weniger als vier Jahren bis zur Befreiung im Mai 1945 waren dort 140.000 Menschen inhaftiert. Über 35.000 von ihnen starben aufgrund der Haftbedingungen im Lager, die meisten wurden jedoch weiter nach Auschwitz deportiert und dort ermordet, so auch Pavel Haas, Hans Krása und Ilse Weber.
Um sich etwas Menschenwürde zu bewahren, sich an etwas festhalten, aufrichten zu können, hatten die Menschen in Theresienstadt begonnen, sich künstlerisch zu betätigen - zunächst unter den argwöhnischen Augen der Lagerverwaltung. Bald erkannte diese, wie sie damit Theresienstadt als Vorzeigelager inszenieren konnte. Unabhängig davon wurden Tausende Bewohner des Ghettos deportiert und ermordet.
Hans Krása hatte mit den Jüngsten im Lager die Kinderoper Brundibár einstudiert und aufgeführt. Damit gab er den Kindern Hoffnung und ermöglichte ihnen, wenigstens zeitweise einen Hauch von Unbeschwertheit zu erfahren. Die kindlichen Rollen mussten immer wieder neu besetzt werden, weil die aktuellen Darsteller nach Auschwitz transportiert worden waren.
"Brundibár poražen! Brundibár ist besiegt! Wirbelt die Trommeln, wir haben den Krieg gewonnen. Gewonnen, weil wir uns nicht unterkriegen ließen. Weil wir uns nicht gefürchtet haben!"
Mit diesem Text waren Auszubildende unserer Schule direkt in die Vorführung eingebunden. Auf der "Bühne" hielten sie Schilder mit den Namen von Kindern, die einst das Stück mitgestaltet und eben diese Worte gesprochen hatten, von Kindern, die dann nach Auschwitz in den Tod geschickt worden waren....
Frau Edith Erbrich, die als Kind die letzten Monate im Lager bis zu seiner Befreiung überlebte, war als Zeitzeugin eingeladen. Leider konte sie - heute 89 Jahre alt, aus gesundheitlichen Gründen nicht kommen. Die Dramaturgin Kathrin Liebhäuser und der Schauspieler Roman Knižka beantworteten an ihrer Stelle im Anschluss an die Darbietung Fragen der Auszubildenden.
Ein Schultag, der nachdenklich gemacht hat. Ein Schultag, der in Erinnerung bleiben wird.
Dieser Teil der deutschen Geschichte darf nicht vergessen werden, damit er sich niemals wiederholt.
Die Würde des Menschen ist unantastbar. Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(Aus Artikel 1 und 3 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland, das am 23. Mai seinen 77. Geburtstag feiert.)